Hofgeschichte

Es kommt immer ganz anders, als man denkt …

Wenn sich in unserer jahrhundertealten Hof- und Familiengeschichte eine Lebensweisheit besonders bewahrheitet hat, dann mag es wohl diese sein: „Der Mensch denkt, Gott lenkt“.

Unser Hof liegt in der St. Lukas Straße 3, nur ein paar Schritte östlich von der Pfarrkirche St. Lukas (vormals Kirchgasse 3, davor Hausnummer 43), der Hof stand - soweit die Aufzeichnungen, Quellen reichen – schon immer in Besitz der Familie Wagner.

Als ich mit meiner Frau Dagmar 2015 mit 50 Jahren den elterlichen Hof übernommen habe, war das so von allen Beteiligten gar nicht geplant. Aber auch in der Generation davor war es nicht anders. Mein Vater (*1932) war ursprünglich als Zweitgeborener nicht für die Hofnachfolge vorgesehen, übernahm aber 1965 den Hof, nachdem sein vier Jahre älterer Bruder darauf verzichtete. Auch mein Großvater Josef (1901-1957) war zunächst nicht als Hofnachfolger prädestiniert, bis sich schließlich mein Urgroßvater Hubert Wagner (Ϯ 1939), ehemals Bürgermeister von Aholfing, entschloss, ihm und seiner Ehefrau Maria (* 1900 Ϯ 1972 geb. Gschwind, Atting) die Verantwortung für den Hof zu übertragen: „Der Mensch denkt, Gott lenkt.“

Ein Bauernhof in Familienbesitz ist immer nur geliehen, er wird von einer Generation an die nächste weitergegeben. Jede Generation steht vor anderen und neuen betrieblichen oder familiären Herausforderungen und jeder Betriebsleiter muss seinen eigenen Weg finden und gehen. Das war früher so und gilt heutzutage mehr denn je.

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor einem beispiellosen Strukturwandel; zahllose Familienbetriebe stehen gewissermaßen vor dem existentiellen Abgrund. Das Höfesterben geht schon seit Jahrzehnten um; und so wandeln sich unsere einst stolzen Bauerndörfer zusehends zu „vorstadtähnlichen“ Siedlungen. Das mag man bedauern oder nicht, es ist ein unaufhaltsamer Trend.

"Lateinischer" Bauer

Angesichts der häufig von Experten propagierten Devise „Wachsen oder Weichen“ stellte sich auch mir und meiner Frau die Frage nach der Zukunft des eigenen Familienbetriebs. Aber im Alter von 50 stellt man sich andere Fragen als jemand, der mit 20 Jahren den Hof übernimmt; und es ist einem auch anderes wichtig. Man blickt häufig wehmütig zurück in die eigene Kindheit und rechnet nachdenklich nach vorne. Der Bauernhof muss zum Bauern passen, nicht der Bauer zum Bauernhof. Da ich und meine Frau Latein und Theologie studiert haben, musste also der Hof „lateinisch“ bzw. „katholisch“ werden (:-)  und so wurde aus einem ehemals konventionellen landwirtschaftlichen Mischbetrieb ein Erlebnisbauernhof mit Alpakas und der Diversifizierung „Soziale Landwirtschaft“ mit Angeboten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.