Herzlich willkommen bei uns auf dem Hof!

Familie Wagner (Hausname Simandl) –  das sind wir: Dagmar und Christian Wagner, eine kleine Familie, die mal groß war. Unsere vier erwachsenen Kinder sind schon seit Jahren aus dem Haus und gehen natürlicherweise andere Wege mit eigenen Zielen.

Dagmar (1967):

Ich stamme ursprünglich aus dem Schwabenländle (Leipheim/Günzburg); mein Studienwunsch führte mich nach dem Abitur (1986) nach Regensburg, eine Zeit, an die ich mich gerne erinnere. Es war eine Fügung Gottes, dass ich genau dort meinen späteren Ehemann kennen lernen durfte. Mit Landwirtschaft und Niederbayern war ich als schwäbisches Stadtkind bis dahin noch nicht in Berührung gekommen; um so größer war der Kulturschock, als mich Christian 1989 erstmals zu sich nach Hause zu seinen Eltern einlud: Man hatte offensichtlich gerade ein Schwein geschlachtet. Damals gab es noch regelmäßig Hausschlachtungen am Hof. Ich ging vollkommen ahnungslos in die Küche und da lag auf dem Tisch ein riesiger gekochter Saukopf, um den herum die Familienmitglieder saßen. Auch hat es geraume Zeit gedauert, bis ich in der niederbayerischen Sprache so versiert war, in Ansätzen zu verstehen, was mein späterer Schwiegervater mit seinen kargen Äußerungen meinte. Als ich dann aus dem Keller Limo holen wollte, traf mich fast der zweite Schlag, weil so viele Bierkästen aufgestapelt waren. So etwas kannte ich nicht von zuhause. Da hieß es nur: „Ganz normal bei uns in Niederbayern.“ Das Niederbayern nicht lange fackelten, wenn es ums Heiraten geht, merkte ich auch bald. Schon ein Jahr später gab es eine sogenannte „Feuerwehrhochzeit“, wie man es hier nannte. Gewissermaßen nach der bayerischen Redensart: „Das Heiraten und Schlittenfahren muss schnell gehen.“ Es folgte eine für mich nicht leichte, manchmal sehr belastende Zeit. Jeder bzw. jede Ehefrau, die in ein Bauernhaus mit mehreren Generationen einzieht, weiß, wovon ich rede.

Christian (1965):

Vertraut mit der Landwirtschaft von Kindesbeinen an wuchs ich mit großer Liebe zu Hof, Vieh und Heimat auf. Einen Kindergarten habe ich nie kennen gelernt, vielmehr war der Bauernhof mit den Tieren und Maschinen sowie Feld und Flur meine Vorschule. Als Pädagoge muss ich im Nachhinein sagen, dass ich meinen Eltern dankbar bin, dass sie mich in meiner Kindheit nie gegängelt, nie wie einen „kleinen Erwachsenen“ behandelt (überfordert), nie im Übermaß belehrt und „indoktriniert“ haben, um möglichst früh schon meinen Altersgenossen an Wissen und Können voran zu sein. Gerade dadurch erwuchs mir viel Freiraum für Eigenständigkeit, Freiheit und Kreativität; ihr kostbarstes Geschenk war die Harmonie und Geborgenheit in der Familie. Von so vielem, was heutzutage in der frühkindlichen und schulischen Erziehung Standard ist, blieb ich „verschont“: z.B. man sparte sehr mit Lob, von der Schule wurde ich nie abgeholt und meine Hobbies waren mein Ding ganz allein.

Obwohl oder gerade deswegen, weil ich 1977 aufs Humanistische Gymnasium nach Straubing übertrat, haben die Eltern meinen jüngeren Bruder als Hofnachfolger proklamiert. Nach Abitur und Militärzeit führte mich auch mein Weg nach Regensburg an die Universität. Bereits während unseres gemeinsamen Studiums heirateten wir 1990; vierfacher Kindersegen blieb nicht aus.

Gefördert als Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung schloss ich 1993 mein Studium mit dem 1. Staatsexamen ab, um als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen (bei Prof. A. Schmitt) eine Dissertation („Die Septuaginta-Hapaxlegomena im Buch Jesus Sirach“) anzufertigen (Promotion 1997, ausgezeichnet 1999 mit dem Kulturpreis Ostbayern). Finanziert durch die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) leitete ich das Forschungsprojekt „Ethik im Buch Tobit“ und publizierte 2003 meine sprachwissenschaftliche Arbeit „Polyglotte Tobit-Synopse. Griechisch – Lateinisch – Syrisch – Hebräisch – Aramäisch“, die in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2003 erschien.

Da mir Familie und Heimat wichtiger als wissenschaftliche akademische Karriere waren, wechselte ich 2003 in den heimatnahen Schuldienst (Gymnasium): Eine Wende in meinem Leben, die ich noch während meiner Universitätszeit im elfenbeineren Turm der Wissenschaft vollkommen ausschloss, über die ich jedoch im Nachhinein sehr glücklich bin.

Seit 2004 bin ich als Latein- und Religionslehrer am Ludwigsgymnasium in Straubing tätig. Da für mich die pädagogische und menschliche Arbeit mit meinen Schülerinnen und Schülern immer sehr erfüllend war, habe ich mich in einer mehrjährigen Fortbildung 2020 in der Schulseelsorge weiterentwickelt.

Nichts lag ferner als anzunehmen, dass wir eines Tages den elterlichen Bauernhof übernehmen sollten. 2015 stand dann plötzlich die Hofübergabe an. „Es wird übergeben, aber alles bleibt, wie es ist!“ hieß es lapidar. Dass so ein „Unterfangen“ immer sehr, sehr schwierig ist und den familiären Zusammenhalt bisweilen auf die Zerreißprobe stellt, muss ich Eingeweihten nicht extra sagen.

Mit 50 Jahren nochmals neu anfangen und den Hof der Eltern und der Vorfahren weiterführen? Ja klar, als Bauernbub ist man immer mit der entsprechenden DNA geboren, aber trotzdem !? Eines war klar, dass wir den Hof nicht genauso weiterführen konnten wie die Eltern. Deswegen entschieden wir uns für einen „Erlebnisbauernhof“ und „Soziale Landwirtschaft“. Da wir neben kath. Theologie beide auch Latein studiert hatten, fiel uns der Name für unser „postfamiliäres“ Projekt nicht schwer:

Terra Alpaca Aholfing

Und wie sind wir auf Alpakas gekommen? Ja genau so, wie es den meisten Alpakazüchtern ergangen ist: Zuerst im Fernsehen von Alpakas gehört, fasziniert und neugierig in echt bestaunt und dann wars um uns geschehen; man sagt ja:

„Wer einem Alpaka zu tief in die Augen schaut, der könnte sich für immer verlieben.“

Hofgeschichte

Es kommt immer ganz anders, als man denkt...

Wenn sich in unserer jahrhundertealten Hof- und Familiengeschichte eine Lebensweisheit besonders bewahrheitet hat, dann mag es wohl diese sein: „Der Mensch denkt, Gott lenkt“.

Unser Hof liegt in der St. Lukas Straße 3, nur ein paar Schritte östlich von der Pfarrkirche St. Lukas (vormals Kirchgasse 3, davor Hausnummer 43), der Hof stand – soweit die Aufzeichnungen, Quellen reichen – schon immer in Besitz der Familie Wagner.

Als ich mit meiner Frau Dagmar 2015 mit 50 Jahren den elterlichen Hof übernommen habe, war das so von allen Beteiligten gar nicht geplant. Aber auch in der Generation davor war es nicht anders. Mein Vater (*1932) war ursprünglich als Zweitgeborener nicht für die Hofnachfolge vorgesehen, übernahm aber 1965 den Hof, nachdem sein vier Jahre älterer Bruder darauf verzichtete. Auch mein Großvater Josef (1901-1957) war zunächst nicht als Hofnachfolger prädestiniert, bis sich schließlich mein Urgroßvater Hubert Wagner (Ϯ 1939), ehemals Bürgermeister von Aholfing, entschloss, ihm und seiner Ehefrau Maria (* 1900 Ϯ 1972 geb. Gschwind, Atting) die Verantwortung für den Hof zu übertragen: „Der Mensch denkt, Gott lenkt.“

Ein Bauernhof in Familienbesitz ist immer nur geliehen, er wird von einer Generation an die nächste weitergegeben. Jede Generation steht vor anderen und neuen betrieblichen oder familiären Herausforderungen und jeder Betriebsleiter muss seinen eigenen Weg finden und gehen. Das war früher so und gilt heutzutage mehr denn je.

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor einem beispiellosen Strukturwandel; zahllose Familienbetriebe stehen gewissermaßen vor dem existentiellen Abgrund. Das Höfesterben geht schon seit Jahrzehnten um; und so wandeln sich unsere einst stolzen Bauerndörfer zusehends zu „vorstadtähnlichen“ Siedlungen. Das mag man bedauern oder nicht, es ist ein unaufhaltsamer Trend.